
Wenn die Kühe von der Alp kommen: Herbst in den Schweizer Bergen
Es gibt einen Moment, den man nicht plant und trotzdem nie vergisst: Man steht am Straßenrand in einem Dorf im Berner Oberland, hört zuerst nur das dumpfe Läuten, und dann biegt sie um die Kurve – eine Prozession von Kühen mit riesigen Blumenkränzen zwischen den Hörnern, geführt von Sennen in bestickten Hemden. Das ist der Alpabzug, und zwischen Mitte September und Anfang Oktober ist er der ehrlichste Grund, in die Schweizer Alpen zu reisen.
Warum gerade jetzt
Der Alpabzug (in der Deutschschweiz auch «Alpabfahrt») markiert das Ende des Bergsommers. Nach Monaten auf den Hochweiden ziehen die Bauern ihr Vieh zurück ins Tal – und wenn die Saison ohne Unfall verlief, werden die Tiere festlich geschmückt. Das ist keine Show für Touristen, sondern gelebtes Brauchtum. Genau deshalb wirkt es so.
Dazu kommt das beste Wanderwetter des Jahres: klare Luft, warme Nachmittage, kühle Nächte, die ersten goldenen Lärchen. Weniger Menschen als im Hochsommer, stabilere Sicht auf die Gipfel.
Zürich als Basis – oder München
Von Tel Aviv gibt es Direktflüge nach beiden Städten, und beide funktionieren als Ausgangspunkt.
- Zürich ist die naheliegendere Wahl für den Schweizer Alpabzug. Mit dem Zug ist man in gut zwei Stunden im Berner Oberland oder in der Zentralschweiz.
- München liegt näher am bayerischen «Almabtrieb», dem sehr ähnlichen Pendant im Alpenraum rund um den Tegernsee und Garmisch – kulturell verwandt, aber eigenständig.
Wer den klassischen Schweizer Umzug erleben will, fährt am besten von Zürich aus.
Wohin konkret
Feste Termine variieren jährlich, aber diese Orte sind verlässlich:
- Urnäsch (Appenzell) – der wohl authentischste Alpabzug, mit Sennen in Tracht und ohne großen Rummel.
- Charmey (Freiburger Voralpen) – ein größeres «Désalpe»-Fest mit Markt, Käse und Musik am Wochenende.
- Schüpfheim / Entlebuch – UNESCO-Biosphäre, wunderbar zum Kombinieren mit einer Wanderung.
Mein Rat: Kombinieren Sie den Umzug mit einer Tour am Vortag. Steigen Sie mit der Bahn hoch – etwa aufs Brienzer Rothorn oder auf die Rigi – und wandern Sie durch die herbstlichen Weiden ins Tal. So versteht man den Weg, den die Tiere am nächsten Tag nehmen.
Praktisches
Die Umzüge finden meist an Wochenenden und oft am frühen Vormittag statt – seien Sie früh da, Parkplätze sind knapp, der öffentliche Verkehr ist die bessere Wahl. Packen Sie in Schichten: morgens Frost, mittags T-Shirt-Wetter. Feste Schuhe lohnen sich, auch wenn Sie nur zuschauen.
Und die Küche passt zur Jahreszeit: frischer Alpkäse, den die Sennen den Sommer über oben gemacht haben, dazu Nussbrot und ein Glas vom Hang. Der Käse, der beim Fest verkauft wird, stammt oft genau von den Tieren, die gerade vorbeigezogen sind.
Ehrlich gesagt
Der Alpabzug ist kein Spektakel, das man abhaken kann. Er ist leise, kurz und tief verwurzelt. Wer bereit ist, für zwanzig Minuten Kuhglocken früh aufzustehen und danach einen ganzen Tag zu wandern, reist zur richtigen Zeit in die Alpen.