Wasen statt Wiesn: Warum sich der Umweg nach Stuttgart lohnt
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Wer im Herbst ein echtes Volksfest sucht, denkt reflexartig an München. Verständlich – aber die Oktoberfest-Massen haben ihren Preis: überfüllte Zelte, Reservierungen Monate im Voraus, Zimmerpreise wie zur Fußball-WM. Wenn Sie ohnehin über München anreisen (etwa mit einem der gut getakteten Flüge ab Tel Aviv), sollten Sie über eine Zugstunde weiter nachdenken. Das Cannstatter Volksfest auf dem Wasen ist das zweitgrößte Volksfest Deutschlands, und viele Schwaben werden Ihnen leise gestehen: Ihnen ist es das liebere.
Was den Wasen ausmacht
Vom 25. September bis 11. Oktober 2026 verwandelt sich der Cannstatter Wasen am Neckar in eine Landschaft aus Festzelten, Achterbahnen und Bratwurstduft. Das Wahrzeichen ist die Fruchtsäule – ein 26 Meter hoher Obstturm, der an die landwirtschaftlichen Wurzeln des Fests von 1818 erinnert. Damals eine Bauernmesse nach Hungerjahren, heute ein Fest, das seine Herkunft nie ganz vergessen hat.
Der große Unterschied zum Münchner Original: Der Wasen wirkt bodenständiger, weniger auf Touristen zugeschnitten. In den sieben großen Zelten – Grandls Hofbräu-Zelt, das Göckelesmaier oder das familienfreundliche Wasenwirt – sitzen echte Stuttgarter neben Ihnen, nicht nur Reisegruppen mit gemieteten Lederhosen.
Praktisch gedacht
- Anreise: Ab München mit dem ICE gut zwei Stunden nach Stuttgart, dann mit S-Bahn (S1, S2, S3) bis „Bad Cannstatt" – der Wasen ist ausgeschildert.
- Reservierung: Am Wochenende in den Abendstunden brauchen Sie einen Tisch. Werktags mittags oder nachmittags kommen Sie oft ohne rein – die entspannteste Zeit für einen ersten Eindruck.
- Tracht: Dirndl und Lederhose sind willkommen, aber niemand schaut schief, wenn Sie in normaler Kleidung kommen. Ein warmer Pullover ist im Oktober klüger als jede Tracht.
Zwischen Zelt und Riesenrad
Das Riesenrad am Rand des Geländes gibt Ihnen abends den besten Blick: die beleuchteten Zelte, dahinter die Weinberge und die Silhouette Stuttgarts im Talkessel. Der Wasen liegt eingebettet in eine Landschaft, die man beim Oktoberfest so nicht hat.
Kulinarisch führt in Baden-Württemberg kein Weg an regionalen Klassikern vorbei: Neben dem obligatorischen halben Hähnchen (dem „Göckele") sollten Sie schwäbische Maultaschen und einen Zwiebelrostbraten probieren. Und statt reflexartig Bier zu bestellen – der Cannstatter serviert selbstverständlich Maßkrüge – lohnt der Griff zum Wein: Stuttgart ist eine der wenigen Großstädte Europas mit Reben mitten im Stadtgebiet.
Ehrlich gesagt
Wenn Sie das ganz große Spektakel und den internationalen Trubel wollen, bleiben Sie in München. Suchen Sie aber ein Traditionsfest mit Herbststimmung, das noch nach echtem Alltag riecht und wo Sie spontaner reinkommen, ist der Wasen die klügere Wahl. Planen Sie mindestens einen vollen Tag ein, kombinieren Sie ihn mit einem Nachmittag in der Stuttgarter Innenstadt – und lassen Sie sich vom Volksfest-Feuerwerk zum Abschluss am 11. Oktober überraschen, falls Ihre Reise so lange geht.
Zwei Städte, ein Trip: München zum Ankommen, Stuttgart zum Feiern.