
Kino am Meer: Die Filmfestspiele von Venedig ohne Roten-Teppich-Illusionen
Es gibt einen Moment, der die Filmfestspiele von Venedig perfekt zusammenfasst: Man steht in Badelatschen am Strandbad des Lido, hört das Adriawasser, und keine 500 Meter entfernt läuft Cate Blanchett über den roten Teppich. Diese Mischung aus mondänem Glamour und italienischer Strandlässigkeit gibt es sonst nirgends. Vom 2. bis 12. September 2026 verwandelt sich der Lido di Venezia wieder in die älteste Filmbühne der Welt – und der Spätsommer ist genau der richtige Zeitpunkt, um zu kommen.
Der Lido ist nicht Venedig – und das ist gut so
Wer die Festspiele besucht, sollte verstehen: Das Geschehen spielt sich nicht in den Gassen rund um den Markusplatz ab, sondern auf der vorgelagerten Insel Lido. Vom Zentrum fährt der Vaporetto (Linie 1, 5.1 oder 6) in rund 15 bis 20 Minuten hinüber. Rund um den Palazzo del Cinema und das Casinò drängen sich Fotografen, Filmschaffende und Cineasten – aber die Stimmung ist entspannter, als man denkt. Der Lido ist eine grüne, autofreundliche Insel mit Villen im Liberty-Stil und langen Sandstränden.
Ein Tipp, den viele übersehen: Man muss kein Branchen-Akkreditierter sein. Für einen Teil der Vorführungen gibt es öffentliche Tickets, die online im Vorverkauf freigeschaltet werden. Wer flexibel ist, ergattert oft Karten für die „Sala Grande" – dort, wo abends die Premieren laufen.
So planen Sie klug
- Frühzeitig buchen: Hotels auf dem Lido und in Venedig sind in dieser Woche Gold wert. Alternativ lohnt sich Mestre auf dem Festland mit guter Bahnanbindung.
- Tickets im Blick behalten: Der offizielle Vorverkauf startet meist wenige Wochen vor Festivalbeginn. Rechtzeitig registrieren.
- Dresscode entspannt sehen: Für Abendvorführungen ist gepflegte Kleidung angebracht, aber niemand erwartet Smoking, wenn man nicht selbst auf dem Teppich steht.
Zwischen zwei Filmen: Venedig im September
Der eigentliche Luxus dieser Reise ist der Zeitpunkt. Anfang September ist die schlimmste Touristenhitze vorbei, das Licht wird weicher, und die Stadt atmet wieder. Nutzen Sie die Vormittage, bevor die Vorführungen beginnen: ein Espresso im Stehen an einer Bar in Cannaregio, ein Spaziergang durch das jüdische Ghetto, das leerer und stiller ist als San Marco. Wer die Kunst-Biennale-Jahre kennt, weiß – 2026 ist ein Architekturjahr, und die Ausstellungen in den Giardini und im Arsenale ergänzen die Filmtage ideal.
Zum Essen: Meiden Sie die Lokale mit Speisekarten in fünf Sprachen. Suchen Sie stattdessen ein „Bàcaro", eine typische venezianische Weinbar, und bestellen Sie Cicchetti – kleine Häppchen zum Ombra, dem lokalen Glas Wein.
Anreise ab Tel Aviv
Ab Tel Aviv erreicht man Venedig unkompliziert mit Direktflügen zum Flughafen Marco Polo, oft in gut drei Stunden. Vom Flughafen bringt Sie das Alilaguna-Boot direkt über die Lagune – die vielleicht schönste Ankunft, die eine Stadt zu bieten hat.
Venedig im September ist ein Versprechen: großes Kino am Abend, weiches Adrialicht am Tag. Wer Kultur und Muße verbinden will, findet in dieser Woche kaum einen besseren Ort in Europa.