Herbst in Wien: Wenn die Wiesn zur Kaffeehaus-Saison überleitet
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Es gibt einen Moment Ende September, in dem Wien den Sommer abstreift und in seine liebste Rolle schlüpft: die der Kulturstadt mit Herbstlaub, warmem Licht und einem Glas Sturm in der Hand. Wer zwischen dem 24. September und dem 11. Oktober 2026 kommt, erwischt genau diese Übergangswochen – und mit dem Wiener Wiesn-Fest im Prater dazu ein Volksfest, das sich angenehm vom Münchner Original unterscheidet.
Die Wiesn, aber auf wienerisch
Das Wiener Wiesn-Fest ist kleiner, entspannter und musikalisch eigenwilliger als das Oktoberfest. Zwischen Dirndl und Lederhose hört man hier Austropop, Schlager und Volksmusik, dazu Kaiserschmarrn und Backhendl statt reiner Bierseligkeit. Der große Vorteil: Es liegt direkt am Prater, gleich neben dem Riesenrad. Man kann also nach ein paar Krügen noch eine Runde durch den alten Vergnügungspark drehen, was den Abend deutlich charmanter macht.
Ein ehrlicher Tipp: Die Nachmittage unter der Woche sind die schönste Zeit. Weniger Gedränge, gute Stimmung, und man bekommt problemlos einen Platz im Festzelt, ohne Wochen vorher reservieren zu müssen. Wer am Wochenende kommt, sollte einen Tisch buchen.
Wien Modern – der Kontrast, der die Stadt ausmacht
Das eigentlich Wienerische ist der Sprung vom Festzelt in den Konzertsaal. Parallel läuft die Herbst-Kultursaison an, und Wien Modern, das Festival für zeitgenössische Musik, prägt den Oktober. Kein leichter Stoff, aber genau das ist der Reiz: Man geht nachmittags über die Wiesn und sitzt abends im Konzerthaus oder Musikverein bei einer Uraufführung, die man so nirgends sonst hört.
Diese Doppelnatur – Volksfest und Avantgarde am selben Tag – gibt es kaum anderswo so unverkrampft nebeneinander. Wien nimmt beides gleich ernst.
Die Kaffeehäuser gehören dazu
Zwischen Trubel und Konzert braucht es einen dritten Ort, und das ist in Wien immer das Kaffeehaus. Im Herbst kommen sie richtig zur Geltung: dunkles Holz, Marmortische, Zeitungen an Holzstangen, ein Kellner, der einen in Ruhe lässt. Empfehlenswert sind das Café Sperl oder das Café Prückel – weniger touristisch als die Prachtadressen am Ring, dafür mit echtem Alltagsleben.
Bestellen Sie eine Melange und einen Sturm dazu, wenn es ihn schon gibt. Dieser junge, halb vergorene Traubenmost ist reine Saisonware und schmeckt nur im Herbst.
Praktisches für die Anreise
Ab Tel Aviv gibt es gute Direktverbindungen nach Wien, die Flugzeit liegt bei rund vier Stunden – ideal für ein verlängertes Wochenende oder eine ganze Kulturwoche. Vom Flughafen bringt einen der CAT oder die S-Bahn in etwa 20 bis 30 Minuten ins Zentrum.
Packen Sie eine warme Jacke ein: Die Nachmittage können mild sein, die Abende auf der Wiesn und der Weg nach dem Konzert sind es selten.
Kurz gesagt
Wer diese zwei Wochen wählt, bekommt zwei Städte in einer: das gesellige, bodenständige Wien der Wiesn und das feine, kulturbesessene Wien der Herbstsaison. Genau in dieser Spannung liegt der Charme – man muss sich nicht entscheiden.