Knabenschiessen in Zürich: Wenn die Stadt drei Tage lang stillsteht

Es gibt Schweizer Feste, die man als Tourist besucht – und dann gibt es das Knabenschiessen, bei dem man mitten in etwas hineingerät, das die Zürcher wirklich ernst nehmen. Am zweiten Wochenende im September, dieses Jahr vom 11. bis 14., legt die Stadt einen kollektiven Feiertag ein. Der Montag ist für viele Betriebe halb frei, Schulen schliessen, und wer versucht, in diesen Tagen normale Geschäfte zu erledigen, hat den Charakter des Anlasses nicht verstanden.

Was hinter dem Schiesswettbewerb steckt

Der Kern ist ein Sportschiessen für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren – seit 2001 dürfen auch Mädchen antreten, der historische Name blieb. Wer am besten trifft, wird zum «Schützenkönig» oder zur «Schützenkönigin» gekrönt. Das Ganze geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als Jungen im Umgang mit der Waffe geübt wurden. Heute ist es vor allem eines: ein Ritual, das Generationen verbindet.

Für Besucher aus Tel Aviv, wo Waffen einen ganz anderen, alltäglicheren Kontext haben, ist gerade dieser Aspekt interessant zu beobachten. Hier ist das Schiessen zeremoniell, fast gemächlich, eingebettet in Familientradition statt in Sicherheitslogik. Man muss es nicht mögen, aber es erzählt viel über die Schweiz.

Das eigentliche Fest ist der Rummel

Seien wir ehrlich: Die meisten kommen wegen des Herbstfests, nicht wegen der Zielscheiben. Auf der Sihlfeld-Wiese beim Albisgütli steht einer der grössten Jahrmärkte der Schweiz – Achterbahnen, Autoscooter, Schiessbuden und ein Riesenrad, von dem aus man bei gutem Wetter bis zu den Alpen sieht.

Ein paar praktische Hinweise, die den Tag besser machen:

  • Kommen Sie mit dem Tram (Linie 13 Richtung Albisgütli), nicht mit dem Auto. Parkplätze sind an diesen Tagen ein aussichtsloses Unterfangen.
  • Der Samstagabend ist am vollsten und lautesten. Wer es entspannter mag, geht am Sonntagnachmittag.
  • Probieren Sie den «Magenbrot», ein süsses Lebkuchengebäck, das es fast nur an solchen Festen gibt. Dazu geröstete Mandeln und, für die Mutigen, eine Bratwurst mit dem berühmt scharfen Zürcher Senf.

Zürich drumherum

Nutzen Sie die Tage auch für die Stadt selbst. Ein Spaziergang entlang der Limmat zum See, ein Kaffee im Niederdorf mit seinen engen Gassen, vielleicht ein Bad im Frauenbad oder Männerbad, falls der Spätsommer mitspielt. Wer koscher essen möchte, findet im Kreis 2 rund um die Enge mehrere Adressen – die jüdische Gemeinde Zürichs ist gut sichtbar und etabliert.

Buchen Sie die Unterkunft früh. Das Wochenende ist bei Einheimischen beliebt, und günstige Zimmer sind schnell weg. Die Direktflüge ab Tel Aviv machen einen verlängerten Wochenendtrip realistisch – donnerstags hin, sonntags oder montags zurück, und man hat das Fest in seiner ganzen Ausdehnung erlebt.

Ehrlich gesagt

Das Knabenschiessen ist kein Hochglanz-Event für Instagram. Es ist laut, ein bisschen altmodisch und tief lokal – genau deshalb lohnt es sich. Man sieht die Zürcher, wie sie normalerweise nicht sind: gelöst, feiernd, mit Zuckerwatte in der Hand.