a crowd of people walking down a street next to tall buildings

Knabenschiessen in Zürich: Wenn die Stadt ihre älteste Tradition feiert

Photo: Kajetan Sumila / Unsplash (Unsplash License)

Zürich gilt als kühl, sachlich, teuer – die Bankenstadt eben. Wer das denkt, sollte im September vorbeischauen. Dann verwandelt sich das Albisgüetli-Areal am Stadtrand in einen riesigen Chilbi-Rummelplatz, und die Stadt begeht mit dem Knabenschiessen ihr traditionsreichstes Volksfest. Zwischen dem 11. und 14. September 2026 zeigt Zürich eine Seite, die in keinem Reiseführer über Banken und Bahnhofstrasse vorkommt.

Ein Schützenfest mit fünf Jahrhunderten Geschichte

Das Knabenschiessen geht auf das 17. Jahrhundert zurück und ist im Kern ein Schiesswettbewerb für Jugendliche – heute längst auch für Mädchen, auch wenn der Name geblieben ist. Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren treten mit dem Sturmgewehr an, und wer am besten trifft, wird zum «Schützenkönig» oder zur «Schützenkönigin» gekrönt. Das klingt nach staubigem Brauchtum, ist aber ein echtes Stadtereignis: Der Montag nach dem Wochenende ist in vielen Zürcher Betrieben und Schulen ein halber Feiertag.

Man muss weder Waffen mögen noch selbst schiessen, um das zu geniessen. Der eigentliche Reiz liegt im Drumherum – im Zusammentreffen von jahrhundertealtem Ritual und lautem, buntem Jahrmarkt.

Der grösste Chilbi der Schweiz

Rund um den Wettbewerb entsteht auf dem Albisgüetli die grösste Chilbi der Schweiz – so nennt man hier den Rummel, was dem süddeutschen «Kirchweih» entspricht. Über hundert Fahrgeschäfte, Karussells, Schiessbuden und Marktstände füllen das Gelände. Für Familien ist das ein Fest, für alle anderen eine wunderbar unaufgeregte Möglichkeit, echte Zürcher beim Feierabend zu erleben.

Kulinarisch lohnt sich der Hunger:

  • Magenbrot – süsse, mit Zimt und Schokolade überzogene Gebäckstücke, ein Chilbi-Klassiker
  • Bratwurst mit Bürli, dazu scharfer Senf – ohne Ketchup, das gilt hier fast als Sünde
  • Zuckerwatte und gebrannte Mandeln für den Nachmittag mit Kindern

Ein Tipp: Kommen Sie unter der Woche am frühen Abend, nicht am Samstagabend. Dann sind die Fahrgeschäfte weniger überlaufen, und die Stimmung ist entspannter.

Zürich im Frühherbst – der richtige Moment

September ist ohnehin die schönste Zeit für Zürich. Die Sommerhitze ist vorbei, das Licht über dem See wird golden, und man kann noch draussen sitzen. Nach einem Nachmittag auf der Chilbi bietet sich ein Bummel entlang der Limmat an, ein Kaffee im Niederdorf oder ein Sprung ins vielleicht letzte Bad des Jahres im Seebad Enge.

Wer mehr Ruhe sucht, nimmt das Schiff über den Zürichsee oder fährt mit der Standseilbahn auf den Uetliberg – von dort sieht man an klaren Tagen bis zu den Alpen.

Praktisches für die Anreise

Von Tel Aviv erreichen Sie Zürich direkt, ohne Umsteigen – der Flughafen ZRH liegt nur rund zehn Bahnminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Vom Hauptbahnhof aus fährt man mit Tram und Bus bequem zum Albisgüetli.

Buchen Sie die Unterkunft früh: Das Knabenschiessen-Wochenende ist bei Einheimischen beliebt, und Zürich ist ohnehin nie günstig. Wer etwas ausserhalb übernachtet – etwa in Winterthur oder am oberen Seeufer – spart deutlich und ist mit der S-Bahn trotzdem schnell im Zentrum.

Ein Wochenende, das zeigt: Auch die reservierteste Stadt der Schweiz weiss, wie man feiert.