München im Frühherbst: Alpen-Basislager mit Wiesn im Nacken

Wer Ende September nach München kommt, um von hier aus in die Berge zu starten, sollte eines wissen: Vom 19. September bis 4. Oktober 2026 läuft das Oktoberfest. Die Stadt ist voll, die Hotelpreise ziehen an, und im Zug Richtung Süden sitzen morgens mehr Lederhosen als Wanderstiefel. Das ist kein Grund, die Reise abzusagen – aber ein Grund, klug zu planen.

Der Zeitpunkt ist eigentlich ideal

Der Frühherbst ist für die bayerischen Alpen die ehrlichere Jahreszeit als der Hochsommer. Die Almen sind noch offen, das Gras beginnt sich golden zu färben, und die drückende Hitze ist weg. Schnee liegt oben allenfalls in dünnen Fetzen – für Wintersport ist es zu früh, aber genau das macht die Sache angenehm: klare Fernsicht, leere Wege, warme Sonnenstunden und kühle Abende.

Vom Münchner Hauptbahnhof bringt Sie die Bayerische Regiobahn in gut anderthalb Stunden nach Lenggries oder Bayrischzell, die BOB nach Tegernsee. Mit dem Bayern-Ticket fahren bis zu fünf Personen einen Tag lang günstig durchs ganze Netz – für Tagestouren die beste Wahl. Ein Klassiker für den Einstieg: der Wendelstein bei Bayrischzell, per Zahnradbahn oder zu Fuß, mit Blick über die Voralpenkette bis zum Alpenhauptkamm.

München selbst nicht abschreiben

Auch wenn die Theresienwiese in diesen zwei Wochen alles überstrahlt – die Stadt hat im Herbst ihre ruhigen Ecken. Der Englische Garten leuchtet, und im Biergarten am Chinesischen Turm sitzt man auch ohne Maßkrug-Marathon entspannt unter Kastanien. Die Surfer an der Eisbachwelle stehen bei jedem Wetter im Wasser, das ist immer einen Umweg wert.

Wer die Wiesn wenigstens einmal erleben will, geht am besten vormittags an einem Wochentag: Dann sind die Zelte noch nicht überrannt, und man bekommt einen Platz ohne Reservierung. Das Nockherberg- oder Augustiner-Publikum ist um diese Zeit deutlich einheimischer als am Wochenendabend.

Praktische Ehrlichkeit

  • Unterkunft: Buchen Sie früh und rechnen Sie mit Wiesn-Zuschlägen. Wer außerhalb übernachtet – etwa in Holzkirchen oder am Tegernsee – zahlt weniger und wohnt näher an den Bergen.
  • Ausrüstung: Zwiebelprinzip. Morgens am Gipfel kann es unter fünf Grad haben, mittags im Tal über zwanzig. Grödel oder feste Schuhe reichen; Steigeisen braucht es Ende September nicht.
  • Wetter: Der erste Wintereinbruch in höheren Lagen ist möglich. Prüfen Sie vor jeder Tour den Alpenwetterbericht – ein früher Schneefall kann exponierte Gipfelanstiege heikel machen.

Meine Empfehlung

Nehmen Sie München nicht als Ziel, sondern als Tor. Zwei, drei Tage in der Stadt – mit einem bewusst gewählten Wiesn-Vormittag –, den Rest im Voralpenland. Diese Kombination aus Großstadttrubel und stiller Bergkulisse bekommt man nur in diesen wenigen Wochen im Jahr. Danach schließen die Almen, und der Schnee macht die Sache ernst.

München im Frühherbst: Alpen-Basislager mit Wiesn im Nacken