the mountains are reflected in the still water of the lake

Goldener Oktober zwischen Wiesn-Ausklang und Allgäuer Bergherbst

Photo: Philipp Angerhofer / Unsplash (Unsplash License)

Es gibt diese wenigen Wochen im Oktober, in denen Bayern gleich zweimal Farbe bekennt: einmal im Bierzelt, einmal am Berg. Wer Anfang bis Ende Oktober kommt, erwischt beides – den letzten Trubel rund um die Theresienwiese und den Moment, in dem sich die Lärchen im Allgäu goldbraun färben. Meine Empfehlung: München nicht zum Ziel machen, sondern zum Auftakt.

Ein Abend im Winzerer Fähndl

Das Winzerer Fähndl ist kein Zelt für Menschen, die es leise mögen. Unter dem Maßkrug an der Decke sitzt man auf Bänken, die abends garantiert bestiegen werden, und die Kapelle spielt sich vom Blasmusik-Klassiker zum Mitgröl-Hit. Der Charme liegt gerade darin, dass hier Einheimische und Zugereiste dieselbe Brezn teilen.

Zwei ehrliche Hinweise: Ohne Reservierung wird der Tisch am Wochenende schwierig, unter der Woche vormittags kommt man oft spontan rein. Und wer am nächsten Tag wandern will, sollte es bei zwei Maß belassen – der Föhn und die Höhenluft im Allgäu verzeihen den Kater nicht.

Weiter nach Füssen

Von München sind es rund zwei Stunden nach Füssen, mit dem Zug über Buchloe oder bequem mit dem Auto über die A7. Der Ort selbst ist hübsch, aber die eigentliche Bühne ist die Landschaft ringsum. Im Oktober liegt morgens oft Nebel über dem Forggensee, der sich gegen Mittag hebt und den Blick auf Neuschwanstein freigibt – deutlich stimmungsvoller als im überfüllten Hochsommer.

Wohin bei goldenem Licht

  • Tegelberg statt Schlossbrücke: Die Marienbrücke ist im Herbst weniger belagert, aber wer wirklich Ruhe sucht, fährt mit der Seilbahn auf den Tegelberg. Von oben sieht man Schloss und Seen im Herbstkleid, und der Abstieg durch den Wald dauert je nach Kondition zwei bis drei Stunden.
  • Alatsee: Ein kleiner, dunkelgrüner See westlich von Füssen, umrahmt von Buchen, die jetzt kupferrot leuchten. Eine gemütliche Runde für einen Halbtag.
  • Schwansee und Alpsee: Der leichte Rundweg verbindet beide Seen, meist eben, mit ständigem Blick auf die Berge. Ideal, wenn man nach dem Wiesn-Abend die Beine schont.

Die Farben stehen erfahrungsgemäß Mitte bis Ende Oktober am schönsten, wenn die ersten Nächte Frost bringen. Ein Restrisiko bleibt: Ein früher Wintereinbruch kann das Laub schnell herunterholen. Wetterlage also kurz vorher prüfen.

Praktisch essen und schlafen

In Füssen lohnt sich die Einkehr abseits der Fußgängerzone. In den Gasthöfen der Dörfer ringsum – etwa in Schwangau oder Pfronten – gibt es Kässpatzen und Wild zur Saison, ohne Touristenaufschlag. Übernachten ist im Oktober noch gut buchbar, teurer wird es nur an den Wochenenden mit gutem Wetter.

Mein Fazit: Wer das Laute liebt und das Stille sucht, findet in diesen drei Wochen beides in Fahrweite. Ein Abend Bierzelt, dann raus in den Bergherbst – bayerischer geht Oktober kaum.