Valencia im Spätsommer: Wenn die Stadt wieder atmet
Photo: Fanny Hagan-Södervall / Unsplash (Unsplash License)
Es gibt diesen Moment Ende August, in dem sich der Sommer in Deutschland leise verabschiedet – die Abende werden kühl, die Sonne kommt schräg. Genau dann läuft Valencia zur Hochform auf. Das Meer ist warm wie eine Badewanne, die Reisebusse sind weg, und die Stadt gehört wieder ein bisschen mehr den Menschen, die hier leben. Für einen Kurztrip zwischen dem 18. August und Mitte September gibt es kaum ein entspannteres Ziel am Mittelmeer.
Strand ohne Ellenbogen
Die Playa de la Malvarrosa ist im Juli überlaufen, im September angenehm luftig. Das Wasser hat nach dem langen Sommer seine wärmste Temperatur des Jahres, oft über 25 Grad. Morgens gehören der breite Sandstrand und die Promenade den Joggern und ein paar hartnäckigen Frühschwimmern, nachmittags findet man ohne Mühe einen Platz.
Mein Tipp: Laufen Sie bis ans nördliche Ende, wo die Restaurants der Reihe nach ihre Terrassen aufstellen. Hier isst man Paella so, wie sie gedacht ist – mittags, nie abends, und traditionell mit Huhn und Kaninchen statt Meeresfrüchten. Die paella valenciana ist keine Touristenshow, sondern Sonntagsessen. Wer sie einmal frisch aus der flachen Pfanne mit der knusprigen Kruste am Boden (dem socarrat) probiert hat, versteht den Kult.
Zwischen Zukunft und altem Flussbett
Das architektonische Wahrzeichen der Stadt, die Ciudad de las Artes y las Ciencias, wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film: weiße Betonschalen, spiegelnde Wasserbecken, das Oceanogràfic als größtes Aquarium Europas. Gehen Sie am frühen Abend hin, wenn das Licht golden wird und sich die Kuppeln im Wasser doppeln – das ist der schönste Moment für Fotos und angenehm gegen die Mittagshitze.
Das Beste daran: Man erreicht alles zu Fuß oder mit dem Rad durch den Turia-Park, ein neun Kilometer langes grünes Band im ehemaligen Flussbett, das quer durch die ganze Stadt führt. Ein Leihrad kostet wenig und macht Valencia zur wohl fahrradfreundlichsten Stadt Spaniens.
Altstadt am Abend
Wenn die Hitze nachlässt, verlagert sich das Leben in die Gassen des Barrio del Carmen. Beginnen Sie an der Kathedrale, wo angeblich der Heilige Gral aufbewahrt wird, und lassen Sie sich dann treiben. Die Spanier essen spät – vor 21 Uhr wirkt jedes Lokal leer. Nutzen Sie die Zeit für einen Agua de Valencia, den lokalen Cocktail aus Cava, Orangensaft und einem kräftigen Schuss Gin.
Praktisches für den Kurztrip
- Anreise: Direktflüge machen Valencia zum idealen Wochenend- oder Wochenziel; vom Flughafen ist man in gut 20 Minuten mit der Metro im Zentrum.
- Wetter: Tagsüber 28–32 Grad, abends mild. Der September bringt gelegentlich kurze Gewitter – ein leichter Regenschutz schadet nicht.
- Bezahlen: Kartenzahlung ist überall Standard, kleine Bars nehmen aber gern Bargeld.
Valencia im Spätsommer ist kein Kompromiss, sondern der eigentliche Höhepunkt: warm genug fürs Meer, ruhig genug für die Stadt. Ein letzter Sommer, bevor der Herbst kommt.