Valletta im Herbst: Wenn das Mittelmeer noch warm ist und die Kreuzfahrtschiffe weg sind
Photo: Gabriele Morelli / Unsplash (Unsplash License)
Der September und Oktober sind auf Malta ein offenes Geheimnis. Während in Deutschland die ersten Kastanien fallen, hat das Meer rund um Valletta noch immer 24, manchmal 25 Grad – wärmer als die Nordsee es je im Hochsommer schafft. Die Hitze des Augusts ist verflogen, die großen Reisegruppen sind abgereist, und die honigfarbenen Kalksteinmauern der Hauptstadt leuchten in einem Licht, das Fotografen den Kopf verdrehen lässt.
Warum gerade jetzt
Valletta ist winzig – man durchquert die gesamte Halbinsel zu Fuß in einer halben Stunde. Im Hochsommer wird das eng, wenn Tausende von den Kreuzfahrtterminals hochströmen. Im Herbst hat man die steilen Gassen, die plötzlich den Blick auf den tiefblauen Grand Harbour freigeben, fast für sich. Setzen Sie sich morgens in die Upper Barrakka Gardens, wenn um Punkt zwölf die Saluting Battery ihren Kanonenschuss über den Hafen abfeuert – ein Ritual aus der Zeit der Ritter, das nie kitschig wirkt.
Die St. John's Co-Cathedral sollte man sich nicht entgehen lassen, auch wer Kirchen sonst meidet. Von außen wirkt sie fast streng, innen explodiert der Barock förmlich – jeder Quadratzentimeter vergoldet, und im Oratorium hängt Caravaggios „Enthauptung Johannes des Täufers", sein einziges signiertes Werk. Man steht davor länger, als man vorhatte.
Baden ohne Gedränge
Valletta selbst hat keinen klassischen Strand, aber alles liegt nah. Ein Tipp abseits der Postkartenmotive: Nehmen Sie die traditionelle Fähre nach Sliema oder mit dem Bus weiter Richtung St. Peter's Pool bei Marsaxlokk – eine natürliche Felsbucht, in der man von den Klippen ins glasklare Wasser springt. Im Oktober ist das Meer angenehm mild und die Bucht halb leer.
Wer segeln möchte, findet im Herbst die besten Bedingungen: stabile Winde, wenig Verkehr auf dem Wasser. Von Msida oder Sliema aus starten Halbtagestörns entlang der Küste, oft mit Stopp in der Blauen Lagune von Comino – die im Sommer überlaufen ist, jetzt aber wieder atmen kann.
Praktisches für die Planung
- Anreise: Direktflüge ab Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf dauern rund drei Stunden. Air Malta-Nachfolger KM Malta Airlines und Lufthansa/Eurowings fliegen die Route regelmäßig.
- Vor Ort: Ein Mietwagen lohnt sich kaum – die Insel ist klein, das Busnetz günstig, und in Valletta selbst geht ohnehin nur zu Fuß.
- Essen: Probieren Sie Fenkata (Kaninchen) in einem Lokal in Mdina oder frischen Fisch am Sonntagsmarkt in Marsaxlokk. Der maltesische Wein ist besser als sein Ruf.
Ein ehrlicher Rat
Zwei bis drei Nächte in Valletta reichen für die Stadt selbst, planen Sie den Rest für Meer und Nachbarinseln ein. Und packen Sie eine leichte Jacke: Sobald die Sonne untergeht, weht abends eine frische Brise durch die Gassen. Genau das macht den maltesischen Herbst aus – Badewetter am Tag, Pulloverwetter am Abend, und dazwischen ein Aperol auf einer Dachterrasse über dem Hafen.