Der Wasen statt Wiesn: Warum sich der Umweg über Stuttgart lohnt

Wer Ende September nach München fliegt, hat meistens ein Ziel vor Augen: die Wiesn. Aber Hand aufs Herz – das Oktoberfest ist längst zum Massenereignis geworden, bei dem man ohne Reservierung selten einen Platz im Zelt findet und für die Maß tief in die Tasche greift. Die gute Nachricht: Nur gut zwei Stunden weiter im Südwesten läuft parallel das zweitgrößte Volksfest Deutschlands – das Cannstatter Volksfest, von den Stuttgartern liebevoll „Wasen" genannt. 2026 öffnet es vom 25. September bis 11. Oktober.

Gleiches Prinzip, entspannteres Gefühl

Sieben große Festzelte, Fahrgeschäfte, Blasmusik, Hendl und Brezn – auf den ersten Blick unterscheidet sich der Wasen kaum von der Wiesn. Der Unterschied liegt im Ton. Es ist voll, aber nicht erdrückend. Man kommt spontaner an einen Tisch, das Publikum ist gemischter, weniger Junggesellenabschied, mehr echte Feierlaune. Und über allem thront der 26 Meter hohe Fruchtsäulen-Turm, das Wahrzeichen des Fests seit 1841 – ursprünglich ein Erntedankfest nach einer Hungersnot.

Kulinarisch bekommt man hier schwäbische Bodenständigkeit: Neben dem klassischen halben Hähnchen lohnen sich Maultaschen, Zwiebelrostbraten und – für Mutige – ein Besuch am Stand mit frisch gebackenem Hefezopf. Getrunken wird selbstverständlich Stuttgarter Bier, und wer den Trubel im Zelt scheut, findet im weitläufigen Biergarten drumherum genug Platz.

Praktisch geplant

  • Anreise: Landet man in München, bringt einen der ICE ab Hauptbahnhof in gut 2:15 Stunden nach Stuttgart. Wer flexibel ist, fliegt gleich Stuttgart an – der Flughafen liegt nur eine S-Bahn-Station vom Wasen entfernt.
  • Zum Fest: Die Station heißt „Cannstatter Wasen" (S1) oder man läuft vom Bahnhof Bad Cannstatt in zehn Minuten hin.
  • Zelte: Unter der Woche kommt man tagsüber meist ohne Reservierung rein. Für Freitag- und Samstagabend sollte man vorbuchen – kostenlos, aber begehrt.
  • Tracht: Dirndl und Lederhose sind auch hier gern gesehen, aber niemand schaut schief, wenn man in Jeans kommt.

Mehr als nur Bierzelt

Der große Vorteil einer Wasen-Reise: Stuttgart hat abseits des Fests einiges zu bieten, und die Wege sind kurz. Vom Festgelände sind es nur wenige Minuten zur Wilhelma, dem zoologisch-botanischen Garten mit seiner maurischen Architektur – ein schöner Kontrast zum Fahrgeschäft-Lärm. Wer sich für Autos interessiert, findet das Mercedes-Benz Museum fast in Sichtweite; das Porsche Museum in Zuffenhausen ist ebenfalls schnell erreicht.

Für den Kater am nächsten Morgen empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Weinberge am Neckar – Stuttgart ist eine der wenigen Großstädte Europas mit eigenem Weinbau mitten im Stadtgebiet. Eine Viertele Trollinger in einer der Besenwirtschaften ist die authentischste Art, die Region kennenzulernen.

Fazit

Wer das Wiesn-Erlebnis sucht, aber die Enge und die Preise scheut, macht mit dem Cannstatter Volksfest einen klugen Tausch. Man bekommt dieselbe Festzelt-Atmosphäre, etwas mehr Luft zum Atmen – und eine Stadt dazu, die als Reiseziel unterschätzt wird. Fliegen Sie ruhig über München ein, aber halten Sie sich nicht dort auf: Der Umweg lohnt sich.

Der Wasen statt Wiesn: Warum sich der Umweg über Stuttgart lohnt