Cityscape with a wide river and green trees

Wien im Herbst: Beim Weinwandertag durch die Rebzeilen der Stadt

Photo: Katja Zakotnik / Unsplash (Unsplash License)

Wien ist die einzige Millionenstadt der Welt, die ernsthaften Weinbau innerhalb ihrer Grenzen betreibt – rund 600 Hektar Reben, mitten im Stadtgebiet. An normalen Tagen bleibt das ein Insidertipp. Am ersten Oktoberwochenende 2026 aber, beim Wiener Weinwandertag am 3. und 4. Oktober, öffnen sich die Weingärten in Grinzing, Nussdorf, Stammersdorf und am Bisamberg für alle, die zu Fuß von Winzer zu Winzer ziehen wollen.

Was den Weinwandertag ausmacht

Es ist kein Festival mit Bühne und Absperrgittern, sondern ein Netz aus markierten Routen quer durch die Rebzeilen. Man startet, wo man will, und folgt den ausgeschilderten Wegen von einer Ausschankstation zur nächsten. Dazwischen liegen echte Wiener Panoramen: der Blick vom Nussberg hinunter auf die Donau, die Silhouette des Stephansdoms in der Ferne, im Rücken der Wienerwald.

Die Winzer schenken ihre aktuellen Jahrgänge aus, dazu meist Sturm – den halbvergorenen, süß-prickelnden Traubensaft, der nur im Herbst zu haben ist. Wer den einmal auf einer sonnigen Weinbergterrasse getrunken hat, versteht, warum die Wiener diese Wochen so ernst nehmen.

Praktisch geplant

  • Anreise: Die Wanderrouten sind gut mit Öffis erreichbar. Nach Grinzing bringt Sie die Straßenbahnlinie 38 vom Schottentor, nach Stammersdorf die Linie 31. Auto lohnt sich nicht – Parkplätze sind rar und Wein gehört nun mal dazu.
  • Timing: Vormittags starten. Ab Mittag füllen sich die beliebten Stationen rund um Grinzing spürbar. Wer Ruhe sucht, geht auf die weniger frequentierte Bisamberg-Seite in Stammersdorf.
  • Ausrüstung: Festes Schuhwerk, die Wege führen über Feldpfade. Und Bargeld – nicht jeder Winzer nimmt Karte.

Über den Wandertag hinaus

Der Reiz Wiens im Oktober liegt darin, dass sich Landpartie und Großstadt so mühelos verbinden lassen. Vormittags durch die Weinberge, nachmittags ins Kaffeehaus – das Café Central oder das weniger touristische Café Sperl – und abends in einen echten Heurigen.

Wichtig ist der Unterschied: Ein echter Heuriger schenkt vorwiegend eigenen Wein aus und hängt einen Föhrenbuschen über die Tür, wenn geöffnet ist. Die klassisch-touristischen Lokale in Grinzing mit Schrammelmusik sind hübsch, aber teuer. Authentischer geht es in Stammersdorf oder Neustift am Walde zu, wo noch viele Familienbetriebe arbeiten und das kalte Buffet – Verhackertes, Liptauer, Blunzn – ehrlich und günstig bleibt.

Ein ehrlicher Rat

Der Weinwandertag ist wunderbar, aber kein einsames Naturerlebnis – es sind zwei Tage, an denen halb Wien in den Weinbergen unterwegs ist. Genau das ist der Punkt: Man erlebt die Stadt in ihrem geselligsten, entspanntesten Modus. Wer lieber für sich wandert, kommt einfach eine Woche später wieder – die Heurigen bleiben den ganzen Herbst geöffnet, und die Rebhänge sind dann golden und still.

Für ein langes Wochenende im Oktober ist Wien eine der lohnendsten Kurzstrecken überhaupt: nah, kulturell dicht und mit einem Glas Wein in der Hand einfach unwiderstehlich.