
Sommerabende am Wiener Rathausplatz: Das Filmfestival als Ausrede für einen Städtetrip
Von Ende Juli bis Anfang September verwandelt sich der Platz vor dem neugotischen Rathaus in Wiens größtes Freiluftwohnzimmer. Das Filmfestival läuft dann sein 36. Jahr, der Eintritt ist frei, und auf der Riesenleinwand laufen jeden Abend Opern, Konzertmitschnitte und Ballettaufzeichnungen — kein Blockbuster-Programm, sondern eine kuratierte Auswahl, die eher an ein Klassikfestival erinnert als an Popcorn-Kino.
Was das Festival wirklich ausmacht
Ehrlich gesagt: Viele Besucher kommen nicht primär wegen der Leinwand. Die eigentliche Anziehung ist die Gastro-Meile mit über zwei Dutzend Ständen, die weit über Bratwurst hinausgeht — von österreichischer Hausmannskost über vietnamesische und indische Küche bis zu ordentlichem Wein und Craft-Bier. Man setzt sich mit einem Teller und einem Achtel Grünem Veltliner in die Sommerabendluft, und ob man dann tatsächlich auf die Leinwand schaut, ist zweitrangig.
Praktischer Tipp: Kommen Sie eher gegen 20 Uhr, wenn die Hitze nachlässt und die Beleuchtung angeht. Die besten Sitzplätze vor der Leinwand sind dann zwar weg, aber die Stimmung an den Tischen ist ohnehin schöner. Der Film beginnt erst mit der Dämmerung, also gegen 21:30 Uhr im Hochsommer.
Wien im Sommer richtig angehen
Die Stadt ist im Juli und August merklich entspannter — viele Wiener sind selbst verreist, und man kommt an Orte, die sonst überlaufen sind. Nutzen Sie den Vormittag für Innenräume, bevor es heiß wird:
- Kunsthistorisches Museum – wegen Bruegel und dem prachtvollen Café unter der Kuppel
- Naschmarkt früh am Samstag, bevor die Touristenmassen kommen
- Alte Donau oder das Gänsehäufel zum Baden – Wien hat echtes Sommerbadeleben mitten in der Stadt
Nachmittags lohnt sich ein Heuriger am Stadtrand, etwa in Nussdorf oder Neustift. Junger Wein, kalte Aufschnittplatten, Schatten unter Weinlaub — das ist die entschleunigte Seite der Stadt, die im Sommer am besten funktioniert.
Anreise und Unterkunft
Von Tel Aviv gibt es Direktverbindungen nach Wien, die Flugzeit liegt bei rund drei Stunden — für einen langen Sommerwochenendtrip absolut machbar. Vom Flughafen bringt Sie der CAT oder die günstigere S-Bahn in etwa 20 bis 30 Minuten ins Zentrum.
Wohnen sollten Sie idealerweise im 1., 7. oder 8. Bezirk. Der 7. (Neubau) ist meine Empfehlung: kleine Cafés, Boutiquen, gute Restaurants, und trotzdem zu Fuß zum Rathausplatz. Buchen Sie früh — die Festivalzeit fällt mit der Hauptreisesaison zusammen, und gute Zimmer in Zentrumsnähe werden knapp.
Lohnt es sich?
Wenn Sie einen entspannten Städtetrip mit Kultur, guter Küche und lauen Abenden suchen, ist das ein klares Ja. Erwarten Sie kein exklusives Filmfestival mit rotem Teppich — das hier ist demokratisch, familiär und kostenlos. Genau das ist der Reiz. Man kann abends spontan hingehen, ein Glas trinken, ein Stück einer Verdi-Oper mitnehmen und weiterziehen. Kombinieren Sie das mit zwei, drei Tagen klassischem Wien, und der Sommer fühlt sich unaufgeregt schön an.